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Wir sind immer in Bewegung - und nahe bei den Menschen

21. ordentliche Tagung der Essener Kreissynode fand in Schonnebeck statt

(Essen, 09.06.2018) Kirche verändert sich, steht vor Herausforderungen, verzeichnet Abbrüche und Aufschwünge, ist aber immer in Bewegung – und ganz nah bei den Menschen: Das wurde einmal mehr an diesem Wochenende auf der Frühjahrssynode des Kirchenkreises Essen deutlich. Außerdem beschloss das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche in Essen ein Modell zur Personalplanung für die Jugendarbeit, die Kirchenmusik und den Küsterdienst, das bis 2020 umgesetzt werden soll. Zur 21. ordentlichen Tagung der Synode waren die Delegierten aus Gemeinden, Diensten und Einrichtungen des Kirchenkreises am Freitag und Samstag (8./9. Juni) im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Schonnebeck zusammengekommen.

Die Zeiten sind nicht leicht; manche Gemeinden machen sich Gedanken über die Zukunft von Angeboten oder Gebäuden. Wie müssen wir uns verändern, um Kirche für alle Menschen zu bleiben? Viele positive Antworten und Ideen, die zukünftig noch mehr unterstützt werden sollen, fanden sich in den Berichten und Statements der beiden Synodentage – als Beispiele genannten wurden etwa die neuen, ökumenischen Segnungsgottesdienste für Neugeborene, eine anstehende Gemeindefusion und eine stärkere Zusammenarbeit in den Regionen, ökumenisch genutzte Gemeindezentren, die Planung neuer Kindertagesstätten, die Arbeit der Initiative raumschiff.ruhr an der Marktkirche, originelle Neu- und Umbauprojekte, der fürsorgende Umgang mit Ehrenamtlichen oder auch der Aufbau einer internationalen Gemeinde...

Auch die Lebensbegleitung und Seelsorge an den Schnitt- und Umbruchstellen des Lebens, in den Schulen und im Krankenhaus, in den Jugendhäusern und im Gefängnis werde weiterhin stark nachgefragt, erklärte Assessorin Erika Meier, die für die Gemeindeübergreifenden Dienste des Kirchenkreises zuständig ist. Mit über 17.000 Gesprächen im Jahr 2017 sei die Zahl der Anrufe bei der Evangelischen Telefonseelsorge unverändert hoch; die ökumenisch getragene Notfallseelsorge ist mittlerweile im Durchschnitt dreimal pro Woche im Einsatz.

Eine wertvolle Arbeit, die zudem der Förderung von mehr Inklusion innerhalb der Stadtgesellschaft diene, leisteten auch die Aktion Menschenstadt, das Behindertenreferat der Evangelischen Kirche in Essen, und die Gehörlosen- und Schwerhörigenseelsorge, sagte Erika Meier vor den Abgeordneten. Der Kirchenmusik, dem Studierendenzentrum und dem Gemeindedienst für Mission und Ökumene müssten vor allem auch im Hinblick auf ihre jeweiligen Bildungsaufgaben, die in der neuen Kirchenkreiskonzeption beschrieben würden, eine besondere Bedeutung beigemessen werden. „Im Wissen um unsere perspektivisch abnehmenden Finanzmittel geht es in den nächsten Jahren darum, realistisch und konstruktiv an der Frage zu arbeiten, wie wir die Botschaft von der Menschenfreundlichkeit Gottes weiterhin in unsere Stadt hineintragen und für viele Menschen erfahrbar machen können.“

„Ein ‘Weiter so‘ ist keine Perspektive für unsere Kirche... Kirche der Zukunft lässt sich nur im Wir gestalten“, bekräftigte Skriba Heiner Mausehund, der die Arbeit der 27 Essener Kirchengemeinden begleitet, in seinem Bericht. „Wir haben uns auf den Weg gemacht – ich denke an unsere Kirchenkreiskonzeption, den Fachausschuss für Kindertagesstätten, den Arbeitskreis Pfarrstellen, das Personalrahmenkonzept, die interne und externe Kommunikation... Wir sind unterwegs, wenn auch in noch unterschiedlichen Tempi.“

In seinen Gesprächen registriere er nicht selten einen sorgevollen Blick auf die zu bewältigende Arbeit, wenn sich etwa die Pensionierung von Kollegen abzeichne und nicht jede Stelle im selben Umfang wie zuvor wiederbesetzt werden könne, berichtete der Skriba. „Aber ich höre genauso deutlich die Bereitschaft, Kirche weiterzuentwickeln, zu verändern, Neues zu wagen. Dafür braucht es das Mitdenken und die Unterstützung von uns allen... Zeiten der Ungewissheit sind nicht leicht zu bewältigen, bergen aber zugleich das Potenzial für neue schöpferische Entwicklungsprozesse. Sie gelingen am ehesten, wenn wir sie gemeinsam mit allen, die im Kirchenkreis haupt-, neben- und ehrenamtlich arbeiten, angehen. Voraussetzungen sind: Innere Bereitschaft, Gespräche, Gemeinschaft und gegenseitiges Ermutigen.“

Taufe als lebenslanger Prozess

Zu den Bildern des Aufbruchs passte der Vortrag von Christian Grethlein, Professor für Praktische Theologie an der Universität Münster. Mit klaren Worten warb der Theologe darum, das aus seiner Sicht liturgisch und geistlich „marginalisierte“ Sakrament der Taufe in einen lebenslangen Prozess zu verwandeln. In den ersten Jahrhunderten des Christentums habe die Taufe im Zentrum der christlichen Gemeinschaft gestanden; in der Regel sei ihr eine mehrjährige Vorbereitungszeit vorausgegangen und das Fest der Taufe selbst habe drei Tage lang gedauert. „Demgegenüber erscheint die Taufpraxis in unseren heutigen Kirchengemeinden als sehr reduziert“, kritisierte Christian Grethlein. In den meisten Gemeinden sei die Taufe ein vergleichsweise kurzer und oft auch besonders formell erscheinender Teil des Gemeindegottesdienstes. Die Folge: „Sinn- und Feiergestalt der Taufe treten weit auseinander, was zu Unverständnis führt – aus einem selbstverständlichen Ritual wird ein optionaler Ritus, der nur noch für eine Minderheit interessant ist.“ Die Essener Zahlen geben Grethlein recht: 2016 waren in Essen nur noch 29 Prozent der noch nicht schulpflichtigen Kinder getauft, bei den Grundschülern waren es 44 Prozent.

„Unsere Taufpraxis bedarf einer Reform“, hob der Theologe hervor. Er forderte, sich auf das Taufverständnis des Apostels Paulus zu besinnen, der die Taufe in einen Zusammenhang mit dem gesamten Leben eines Menschen bis zur Hoffnung auf Auferstehung gestellt habe (siehe Römer 6,3-5). Wichtig sei es heute, die Taufe wiederkehrend in den Alltag von Familie, Religionsunterricht und Gottesdienst (Verwendung von Wasser, Kerzen, Kreuz, Abendmahl als religionspädagogische Erinnerungssymbole bzw. Ereignisse nutzen!), in das Kirchenjahr (einheitliche Termine für Tauffeste etwa an Ostern oder Pfingsten und entsprechend ein jährliches, leicht erinnerbares Taufgedächtnis) sowie in die kirchlichen Feste und Feiern des Lebenslaufes insgesamt (insbesondere Konfirmandenunterricht, Eheschließung, Bestattung) einzubetten. Nicht zuletzt müssten geltende Rechtsbestimmungen – die Verbindung von Taufe und Kirchenmitgliedschaft und die Voraussetzung der Kirchenmitgliedschaft für die Übernahme eines Patenamtes – kritisch hinterfragt werden, um „die Taufe als geistlichen Vollzug wiederzugewinnen“, erklärte Christian Grethlein. Dies ließe sich durch gemeinsame Bestrebungen auf allen Ebenen der Kirche durchaus erreichen, schloss der Theologe.

Weitere Beschlüsse

Die Kreissynode hat mit großer Einmütigkeit für die Bereiche Jugendarbeit, Küsterdienst und Kirchenmusik ein Modell zur Personalplanung beschlossen, das sowohl kreiskirchliche, regionale als auch gemeindliche Anstellungsträgerschaften ermöglicht. Die jeweilige Konkretisierung soll in den nächsten zwei Jahren erfolgen, so dass die Verabschiedung der Personalrahmenkonzepte für die drei genannten Arbeitsfelder auf der Herbstsynode 2020 stattfinden kann.

Die Kreissynode hat mit großer Einmütigkeit beschlossen, den Umfang der Entlastung für die Tätigkeit von Superintendentin Marion Greve bis zum Ende der Amtsperiode im Wahljahr 2024 von bislang 75 Prozent auf 100 Prozent zu erhöhen. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat bereits ihre Zustimmung signalisiert und hält diesen Umfang der Entlastung für den größten Kirchenkreis der Landeskirche für dringend geboten.

Stichwort: Kreissynode

Die Kreissynode ist das Kirchenparlament des Kirchenkreises; sie ist für Grundsatzentscheidungen über Zielsetzung, Planung und Durchführung der Arbeit im Kirchenkreis zuständig und trägt formell die Gesamtverantwortung. Der Essener Kreissynode gehören über 150 Delegierte an, die aus den 27 Kirchengemeinden sowie aus den Referaten, Diensten und Einrichtungen des Kirchenkreises entsandt werden. Die Kreissynode wird zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, zu ordentlichen Tagungen einberufen und durch die Superintendentin geleitet. Zwischen den Synoden wird der Kirchenkreis durch den Kreissynodalvorstand geleitet.
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Auf unserem Foto begrüßt Superintendentin Marion Greve Professor Christian Grethlein aus Münster, der am Samstagvormittag einen theologischen Vortrag über „Taufe als Prozess“ hielt. Foto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann

 

 

 

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