Logo Evangelische Kirche in Essen
Die Marktkirche in zwei historischen Aufnahmen. Links: Zestörung nah dem Krieg. Rechts: Reformationsfest mit Posaunenchor.

Kirchenkreis

Geschichte

Bereits im 8. Jahrhundert gab es Christen im Gebiet des heutigen Essen. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts entstanden zwei Entwicklungszentren für das Christentum:
 
1. Im Tal der Ruhr, hinter der alten Grenze zwischen Franken und Sachsen, errichtet der Germanen-Missionar und Priester Luidger (Ludgerus) im Jahr 799 als Missionsstützpunkt ein Eigen-Kloster, um das sich später die bis 1929 selbständige Stadt Werden bildet. Luidger ist ein von Karl dem Großen umworbener Mann von umfassender Bildung und europäischer Erfahrung. Er möchte die Sachsen gewinnen, die schon keine Heiden mehr, aber auch noch keine Christen sind. Um 830 wird in Werden der „Heliand“ geschrieben, eine germanische Nacherzählung der Christusgeschichte. Hier wird auch der weltbekannte „codex argenteus“ des Wulfila, eine gotische Bibelübersetzung aufbewahrt. Um 1000 ist Werden das bedeutendste geistige Zentrum im Nordwesten des Kaiserreiches.

2. Bischof Altfried von Hildesheim gründet im Jahr 852 auf seinem Hofgut Asnidi (= Essen?) ein Stift zur Versorgung lediger Frauen aus dem sächsischen Hochadel unter Leitung einer Äbtissin. Der Ort liegt günstig an einer Kreuzung des Hellwegs, der bedeutenden Ost-West-Verbindung. Sowohl die spätere Fürstäbtissin von Essen wie der Fürstabt von Werden vereinigen geistliche und politische Macht in ihren Ämtern - eine besonders in der Reformationszeit für die Evangelischen schwierige Kombination.

In Werden beginnt ab 1550 der Pfarrer und Mönch Petrus Ullnerus das Abendmahl nach dem Vorbild Jesu mit Brot und Wein zu feiern. Es geht ihm dabei um Reformanstöße und die Erneuerung der "alten Kirche", nicht um die Gründung einer neuen Kirche. Dennoch entwickelt sich daraus eine evangelische Gemeinde.

In Essen versammelt sich am Weihnachtstag 1560 das - vorwiegend junge - Volk in der Marktkirche und singt den Tag über bis in die Nacht deutsche Weihnachtslieder, statt der lateinischen der Stiftsdamen. Auch unter Druck verlassen sie die Kirche nicht - ein Zeichen für die Reformation „von unten“. Am 2. Mai 1563 wurde in der damaligen Getrudiskirche, der heutigen Marktkirche, auf Beschluss des Rates der Stadt zum ersten Mal in einem deutschsprachigen lutherischen Gottesdienst das Abendmahl in beiderlei Gestalt durch Pfarrer Heinrich Barenbroch ausgeteilt; mehr als 500 Essener Bürger nahmen daran teil. Dieser Tag gilt daher als der eigentliche Essener Reformationstag.

Über die damaligen Ereignisse, ihre Vorgeschichte und ihre Folgen informiert die Festschrift „‘...daß wir doch den teuren Mann möchten behalten‘. Die Durchsetzung der Reformation durch Volk und Rat in der Stadt Essen“, die Heinrich Gehring anlässlich des Jubiläums 450 Jahre Evangelische Kirche in Essen im Jahr 2013 verfasst hat. Interessierte finden sie auf der Seite [Interner Link:] Service_Downloads_Publikationen

1648 – im Jahr des Westfälischen Friedens – sind die Stadträte von Essen und Werden evangelisch. Das ändert sich bald durch die Gegenreformation des 17. Jahrhunderts, als die katholisch gebliebenen geistlichen „Landesherren“ - Fürstäbtissin und Fürstabt – die Reformation zurückzudrängen versuchen.

Mit der Säkularisation enden die konfessionellen Kleinstaaten. Ab 1803 sind Werden und Essen Kommunen im preußischen Staat. Die evangelischen Bürgerinnen und Bürger genießen nun volle gesellschaftliche Anerkennung.

Die Industrialisierung fördert diese Entwicklung weiter. Die Unternehmer, die sich mit ihren Fabriken in Essen niederlassen, sind vorwiegend evangelisch. Krupp hat seine Gussstahlfabrik in Essen und baut sein Wohn-Schloss „Villa Hügel“. Als Stiftungen entstehen Krankenhäuser, Siedlungen, Kirchen und andere Einrichtungen, die die Stadt bis heute prägen – Zeichen für eine evangelisch verstandene soziale Verantwortung.
Mit der Industrie wächst die Stadt und damit auch die evangelische Kirche. Ab 1874 gründet sich in jedem Jahr eine neue Gemeinde im Gebiet der Stadt. Evangelische Jünglings-, Frauen-, Missions- und Arbeitervereine entstehen und prägen das Leben in den Gemeinden. Ab 1880 durchzieht die Erweckungsbewegung die Gemeinden und erneuert über die Vereine das Gemeindeleben, so z.B. ab 1896 der spätere Verein „Weiglehaus“ auf dem Gebiet der Jugendarbeit.

Ab 1933 bestehen gerade diese Gruppen und Vereine die Bewährungsprobe des Kirchenkampfes während der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland. Essen wird ein Stützpunkt des Widerstandes innerhalb der evangelischen Kirche ("Bekennende Kirche"), verbunden u.a. mit den Namen von Pfarrer Friedrich Graeber (Essen-Altstadt), Pfarrer Heinrich Held (Essen-Rüttenscheid, später Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland) und Presbyter Dr. Dr. Gustav Heinemann (Essen-Altstadt, später Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland). Doch auch die Schattenseiten und die Verantwortung für schuldhaftes Handeln dürfen nicht verschwiegen werden: In einigen Kirchengemeinden geben die „Deutschen Christen“ zumindest zeitweilig den Ton an und sperren die Mitglieder der Bekennenden Kirche aus. In der Alten Kirche Altenessen predigt der Pfarrer in SA-Uniform; in Kupferdreh ist mit Pfarrer Karl Dungs ein glühender Vertreter der „Deutschen Christen“ tätig.

Über einige wichtige Aspekte aus der Geschichte der Evangelischen Kirche in Essen in der Zeit des Nationalsozialismus informiert die Schrift „Die Evangelische Kirche in Essen auf dem Hintergrund von ‚nationaler Erhebung‘ und nationaler Katastrophe 1930 bis 1950“, die die Ergebnisse eines Symposions zur kirchlichen Zeitgeschichte am 19. Juni 2003 dokumentiert. Restexemplare der Schrift sind beim Kirchenkreis Essen, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Telefon 0201 / 2205-221, Mail info@evkirche-essen.de, erhältlich.

 

nach oben ▲