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Nachrichten

Begegnung mit dem Judentum

Konzert und Lesung in der Alten Synagoge

(Düsseldorf/Essen, 04.05.2021). Die Evangelische Kirche im Rheinland startet eine Konzertreihe zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Zwischen dem 8. Mai und dem 21. November 2021 sehen die „Begegnungen mit Musik aus jüdischer und christlicher Tradition“ insgesamt 17 Veranstaltungen vor; Gastgeber sind die Kirchenkreise Düsseldorf, Essen, Koblenz, Krefeld, Oberhausen, Saar-West und Wuppertal.

Die Veranstaltung in Essen findet am 12. September in der Alten Synagoge/Haus jüdischer Kultur statt und verbindet Konzert und Lesung. Das Vokalensemble Vollklang des Kirchenkreises und Instrumentalsolisten bringen Werke des jüdischen Komponisten Salomone Rossi aus der Sammlung Salmi e canti hebraici ha-Schirimascher li-Schlomo, Venezia 1622, zu Gehör; außerdem sind weitere Stücke von weniger bekannten jüdischen Komponisten des 17. Jahrhunderts zu hören. Die musikalische Leitung hat Kreiskantor Thomas Rudolph. Für die Lesung konnte Lena Gorelik gewonnen werden: Die Autorin liest aus ihrem neuen, autobiographischen Roman "Wer wir sind" (Berlin, Rowohlt 2021).

Mit der Veranstaltung solle an die lange und wechselvolle Tradition jüdischen Lebens in Essen erinnert und die gute Partnerschaft mit der Alten Synagoge und der Jüdischen Kultus-Gemeinde Essen gewürdigt werden. Marion Greve: "Ein herzliches Dankeschön geht an den Leiter der Alten Synagoge, Dr. Uri Kaufmann, mit dem wir die Aufführung gemeinsam vorbereiten. Nach der ertragreichen Zusammenarbeit der letzten Jahre wollen wir dem christlich-jüdischen Gespräch in Essen einen weiteren Impuls verleihen." Der Eintritt wird 10 Euro kosten; Beginn ist um 17 Uhr.

ÜBER LENA GORELIK UND IHR NEUES BUCH "WER WIR SIND"

Lena Gorelik, 1981 in St. Petersburg geboren, kam 1992 mit ihren Eltern nach Deutschland. Ihr Roman "Hochzeit in Jerusalem" (2007) war für den Deutschen Buchpreis nominiert, der viel­gelobte Roman "Mehr Schwarz als Lila" (2017) für den Deutschen Jugendbuchpreis. Regel­mäßig schreibt Lena Gorelik Beiträge zu gesellschaftlichen Themen, u.a. für die Süddeutsche Zeitung oder Die Zeit. Sie lebt in München.

Lena Goreliks neues Buch "Wer wir sind" (Berlin, Rowohlt 2021) verbindet Sankt Petersburg und Ludwigsburg, Vergangenheit und Zukunft und spielt 1992. Ein Mädchen reist mit den Eltern, der Großmutter und ihrem Bruder nach Deutschland aus, in die Freiheit. Was sie dafür zurücklässt, sind ihre geliebte Hündin Asta, die Märchen-Telefonnummer und fast alles, was sie mit Djeduschka, Opa, verbindet – letztlich ihre Kindheit. Im Westen merkt die Elfjährige, dass sie jetzt eine andere und "die Fremde" ist. Ein Flüchtlingskind im selbstgeschneiderten Parka, das die Wörter so komisch ausspricht, dass andere lachen.

Auch für die Eltern ist es schwer, im Sehnsuchtswesten wächst ihre russische Nostalgie; und die stolze Großmutter, die mal einen Betrieb leitete, ist hier einfach eine alte Frau ohne Sprache. Das erst fremde Deutsch kann dem Mädchen helfen – beim Erwachsenwerden, bei der Eroberung jenes erhofften Lebens. Aber die Vorstellungen, was Freiheit ist, was sie erlaubt, unterscheiden sich zwischen Eltern und Tochter immer mehr. Vor allem, als sie selbst eine Familie gründet und Entscheidungen treffen muss.

Ein autobiographischer Roman, der zeigt, dass die Identität gerade im Zwiespalt zwischen Stolz und Scham, Eigensinn und Anpassung, Fremdsein und allem Dazwischen stark wird. "Wer wir sind" erzählt, wie eine Frau zu sich findet – und wer wir im heutigen Deutschland sind.

KONZERTREIHE DER EVANGELISCHEN KIRCHE IM RHEINLAND

Zum Auftakt der Konzertreihe der Evangelischen Kirche im Rheinland erklingt am 8. Mai „Musik für Rose Ausländer“. Der Kammermusikabend mit Solisten der Camerata Kaiserswerth unter Leitung von Kirchenmusikerin Susanne Hiekel beginnt um 18 Uhr und wird als Livestream (praktisch-glaube.de) aus der Mutterhauskirche der Diakonie Kaiserswerth am Zeppenheimer Weg in Düsseldorf übertragen. Zu hören sind Werke von Oskar Gottlieb Blarr und Camille van Lunen. Es folgen ein Gottesdienst zum 75. Jahrestag der Gründung der Synagogengemeinde Saar am 6. Juni (ebenfalls als Livestream) und ein Open-Air-Konzert mit „Musik vom Mittelalter bis zur Moderne aus jüdischer, christlicher und islamischer Tradition“ am 12. Juni in der Burgruine Kaiserpfalz in Düsseldorf-Kaiserswerth. Unter dem Titel „Gemeinsam Halleluja“ gestalten die Chöre der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel und der Wuppertaler Synagoge sowie das Vokalensemble „Geistreich“ am 24. Juni ein Konzert in der Kirchlichen Hochschule auf dem sogenannten heiligen Berg in Wuppertal. Noch vor der Sommerpause bietet die Jüdisch-Christliche Gesellschaft Koblenz am 11. Juli auf dem Koblenzer Florinsmarkt zum Motto „Hava nagila – Lasst uns glücklich sein!“ jüdisch und christlich geprägte Musik. Im September geht es mit gleich fünf Veranstaltungen in Koblenz, zweimal Wuppertal, Saarbrücken und Essen weiter. Zwei Oktober- und fünf Novembertermine runden die Konzertreihe ab. Den Schlusspunkt bilden zwei Konzerte im Rahmen des Kultur-Forums am 21. November in der Bethlehemkirche Meerbusch.

ALLE 17 VERANSTALTUNGEN IM ÜBERBLICK

8. Mai 2021, 18 Uhr
Mutterhauskirche, Zeppenheimer Weg, 40489 Düsseldorf
„Musik für Rose Ausländer“
Livestream-Konzert auf praktisch-glaube.de
Kammermusik von O.G. Blarr, C.v. Lunen u.a.
Konzertreihe: Ein langer Weg mit gemeinsamen Wurzeln – Wechselseitige Inspiration von Juden, Christen und Muslimen – Teil 1
Mitwirkende: Solisten der Camerata Kaiserswerth
Leitung: Susanne Hiekel
Veranstalter: Kirchenkreis Düsseldorf
Eintritt frei

6. Juni 2021, 13 Uhr
Synagoge, Am Beethovenplatz, 66111 Saarbrücken
„75 Jahre Synagogengemeinde Saar“
Gottesdienst
Livestream auf ludwigskirche.de
Zum 75. Jahrestag der Gründung der Synagogengemeinde Saar
Mit Musik für Harfe, Orgel und Gesang von S. Sulzer, L. Lewandowski, P. Hindemith und O.G. Blarr
Mitwirkende: Kinderchor der Synagogengemeinde Saar, Figuralchor der Ludwigskirche
Leitung: Kantor Benjamin Chait, Kantor Ulrich Seibert
Veranstalter: Kirchenkreis Saar-West,
Eintritt frei

12. Juni 2021, 18 Uhr
Burgruine Kaiserpfalz Kaiserswerth, Burgallee, 40489 Düsseldorf
„One God – Sacred Bridges”
Open Air-Konzert
Musik vom Mittelalter bis zur Moderne aus jüdischer, christlicher und islamischer Tradition für Chor, Soli und Instrumentalensemble
Konzertreihe: Ein langer Weg mit gemeinsamen Wurzeln – Wechselseitige Inspiration von Juden, Christen und Muslimen – Teil 2
Mitwirkende: Ensemble Avram, Kantorei Kaiserswerth und Camerata Kaiserswerth
Leitung: Susanne Hiekel
Veranstalter: Kirchenkreis Düsseldorf
Eintritt frei

24. Juni 2021, 16 bis 21 Uhr
Kirchliche Hochschule, Missionsstraße 9a/b, 42285Wuppertal
„Gemeinsam Halleluja“
Mitwirkende: Chor der kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, Chor der Synagoge, Vocalensemble „Geistreich“
Leitung: Jens-Peter Enk
Veranstalter: Kirchenkreis Wuppertal,
Information und Kontakt: evangelisch-in-unterbarmen.de
Eintritt frei

11. Juli 2021, 15 Uhr
Florinsmarkt, 56068 Koblenz
„Hava nagila – Lasst uns glücklich sein!“
Musik aus jüdischer und christlicher Tradition
Mitwirkende: Musiker*innen und Sänger*innen aus Koblenz
Leitung: Christian Tegel
Veranstalter: Jüdisch-Christliche Gesellschaft Koblenz
Eintritt frei

4. September 2021, 20 Uhr
Florinskirche Koblenz, Florinsmarkt, 56068 Koblenz
„Klezmer-Konzert“
Populäre und traditionelle jüdische Lieder und Tänze
Mitwirkende: Ensemble „Shoshana“
Leitung: Leonid Norinsky
Veranstalter: Kirchenkreis Koblenz
Eintritt frei

9. September 2021, 19.30 Uhr
Friedhofskirche Wuppertal-Elberfeld, Hochstraße 15, 42105 Wuppertal
„Hermann Zivi, Elberfelder Oberkantor und sein Werk Gestern und Heute“
Öffentliche Chorprobe
Mitwirkende: Konzertchor Wuppertal und interessierte Mitsingende
Leitung: Thorsten Pech
Veranstalter: Kirchenkreis Wuppertal
Infos: sauer-orgel.com
Eintritt frei

12. September 2021, 13 Uhr
Ludwigskirche, 66111 Saarbrücken
„Psalmen – Tehillim – unsere gemeinsamen Lieder“
Konzert
César Franck (Psalm 150), Lili Boulanger (Psaume 24), Leonard Bernstein (Chichester Psalms)
Mitwirkende: Benjamin Chait (singt die hebräischen Psalmen in der Synagoge und ist per Livestream zugeschaltet), Figuralchor der Ludwigskirche
Leitung: Kantor Ulrich Seibert
Veranstalter: Kirchenkreis Saar-West,
Infos: ludwigskirche.de
Eintritt frei

12. September 2021, 16 Uhr
Friedhofskirche Wuppertal-Elberfeld, Hochstraße 15, 42105 Wuppertal
„1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“
Festkonzert
Musik von Bruch, Lewandowski, Schubert, Sulzer, Zivi u.a.
Mitwirkende: Andreas Elias Post (Bariton), Konzertchor Wuppertal,Jens-Peter Enk (Orgel)
Leitung: Thorsten Pech
Veranstalter: Kirchenkreis Wuppertal
Infos: konzertchor-wuppertal.com
Eintritt frei

12. September 2021, 17 Uhr
Alte Synagoge Essen/ Haus jüdischer Kultur, Edmund-Körner-Platz 1, 45127 Essen
„Begegnung mit dem Judentum in Geschichte und Gegenwart“
Konzert und Lesung
Werke von Salomone Rossi aus der Sammlung Salmi e canti hebraici ha-Schirimascher li-Schlomo, Venezia 1622, sowie weitere Stücke jüdischer Komponisten des 17. Jahrhundert; Lena Gorelik liest aus ihren Romanen
Mitwirkende: Vocalensemble Vollklang Essen, Instrumentalsolisten; Autorin Lena Gorelik
Leitung: Kreiskantor Thomas Rudolph
Veranstalter: Kirchenkreis Essen
Infos: kirche-essen.de
Eintritt: 10 EUR

10. Oktober 2021, 17 Uhr
Florinskirche Koblenz, Florinsmarkt, 56068 Koblenz
„Psalmen aus christlichen und jüdischen Quellen“
Konzert
Vesperpsalmen von Asprilio Pacelli und Hebräische Psalmen von Salamone Rossi
Mitwirkende: Vokalensemble Cantus Floridus, Cappella Confluentes
Leitung: Jörn Andresen
Veranstalter: Kirchenkreis Koblenz
Eintritt: 20 EUR

31. Oktober 2021, 18 Uhr
Gemeindehaus Christuskirche, Nohlstraße 2-4, 46045 Oberhausen
„Themenabend mit Vortrag“
Reihe: Jüdisches Leben zwischen Gedenken und Gegenwart, Teil 1
Mitwirkende: Dr. Abraham Lehrer, stellv. Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland
Veranstalter: Kirchenkreis Oberhausen
Infos: christuskirche-oberhausen.de/1700-jahre
Eintritt frei

6. November 2021, 19 Uhr
Kastell Holten, Kastellstrasse 58, 46147 Oberhausen
„Abend der Begegnung“
Reihe: Jüdisches Leben zwischen Gedenken und Gegenwart, Teil 2
Mitwirkende: Kirchenkreis, Gemeinden
Veranstalter: Kirchenkreis Oberhausen
Infos: christuskirche-oberhausen.de/1700-jahre
Eintritt frei

7. November 2021, 18 Uhr>
Christuskirche, Nohlstraße 7, 46045 Oberhausen
„Begegnungskonzert“
Reihe: Jüdisches Leben zwischen Gedenken und Gegenwart, Teil 3
Jüdische und christliche Chor- und Instrumentalmusik
Mitwirkende: Verschiedene Chöre und Instrumentalgruppen
Leitung: Danny Neumann
Veranstalter: Kirchenkreis Oberhausen
Infos: christuskirche-oberhausen.de/1700-jahre
Eintritt frei

9. November 2021, 20 Uhr
Herz-Jesu-Kirche, Altmarkt, 46045 Oberhausen
„A Child of our time“
Konzertabend
Reihe: Jüdisches Leben zwischen Gedenken und Gegenwart, Teil 4
Mitwirkende: Evangelische Singgemeinde, Sinfonieorchester Ruhr, Solisten
Leitung: Danny Neumann
Veranstalter: Kirchenkreis Oberhausen,
Infos: christuskirche-oberhausen.de/1700-jahre
Eintritt frei

14. November 2021, 17 Uhr
Mutterhauskirche, Zeppenheimer Weg, 40489 Düsseldorf
„Elias – der Wegbereiter der Einheit Gottes“
Felix Mendelssohn-Bartholdy: Oratorium „Elias“
Konzertreihe: Ein langer Weg mit gemeinsamen Wurzeln – Wechselseitige Inspiration von Juden, Christen und Muslimen – Teil 3
Mitwirkende: Solisten, Kantorei Kaiserswerth, Camerata Instrumentale Kaiserswerth
Leitung: Susanne Hiekel
Veranstalter: Kirchenkreis Düsseldorf
Eintritt: 7 bis 30 EUR

21. November 2021, 13 und 17 Uhr
Bethlehemkirche Meerbusch, Dietrich-Bonhoffer-Straße 9, 40667 Meerbusch
„Konzerte im Rahmen des Kultur-Forums“
Mitwirkende: Axel Weggen und das Lewandowski-Ensemble für synagogale Musik: Ekaterina Somicheva, Ekaterina Porizko, Wilfried Pahlke
Leitung: Ekaterina Porizko
Veranstalter: Evangelische Kirchengemeinde Büderich
Eintritt frei

STICHWORT: JUBILÄUM 1700 JAHRE JÜDISCHES LEBEN IN DEUTSCHLAND

Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1700 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Aus diesem bedeutenden Anlass haben sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und wichtige Institutionen zusammengeschlossen, um dieses Ereignis unter der Leitung eines eigens gegründeten Vereins zu begehen.

Unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland werden bundesweit rund tausendfünfhundert Veranstaltungen ausgerichtet. Darunter Konzerte, Ausstellungen, Musik, ein Podcast, Video-Projekte, Theater, Filme und viele darstellerische Formen mehr. Ziel des Festjahres ist es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen.

Die Eröffnung des Festjahres erfolgte am 21. Februar in der Kölner Synagoge. In seiner Rede sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier damals: „In diesem Festjahr gibt es so unendlich viel zu entdecken und wiederzuentdecken. Ob in der Philosophie, in der Literatur, Malerei und Musik, in der Wissenschaft, der Medizin, in der Wirtschaft, Juden haben unsere Geschichte mitgeschrieben und -geprägt und unsere Kultur leuchten lassen.“

 

 

 

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