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Visionär mit Kampfesgeist

Die Evangelische Kirche in Essen trauert um Kirchenmusikdirektor Siegfried Scheytt

(Essen, 02.07.2018) Die Evangelische Kirchengemeinde Altstadt und der Kirchenkreis Essen trauern um Kirchenmusikdirektor Siegfried Scheytt, der am 29. Juni im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Fast vier Jahrzehnte lang, bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1996, hat er mit seinem Wirken die musikalische Arbeit an der Kreuzeskirche geprägt und der Essener Kirchenmusik zu einem ausgezeichneten Ruf weit über die Grenzen von Gemeinde und Stadt hinaus verholfen.

Mit Klavier, Orgel und Cello war Siegfried Scheytt schon früh vertraut. Sie weckten sein Interesse für die Neue Musik. Nach einem Semester Theologie entschied sich der 19jährige für das Studium der Kirchenmusik. Der Ruf der Folkwang-Hochschule - heute Folkwang Universität der Künste - lockte den gebürtigen Schwaben 1951 nach Essen, in die "damals progressivste Abteilung" der Kirchenmusik. 1955 ging er als Domorganist nach Altenberg, doch schon drei Jahre später kehrte er nach Essen zurück: Am 1. Oktober 1958 übernahm er als A-Kirchenmusiker die Leitung der Kreuzeskirchen Kantorei (heute: Essener Kantorei).

Bereits in den ersten Jahren seines Wirkens entwickelte Siegfried Scheytt die Kreuzeskirche zu einem Zentrum des Essener Kulturlebens. Seinem unermüdlichen Einsatz ist zu verdanken, dass in der Kreuzeskirche seit 1968 eine der größten und besten Orgeln des Ruhrgebiets erklingt. Herausragende Aufführungen der Kantorei sorgten in Essen regelmäßig für Furore; aber auch auf regelmäßige Auftritte des Chores in den Gottesdiensten der Gemeinde legte der Kantor großen Wert. Besondere Höhepunkte waren die von ihm eingeführten Kantatengottesdienste, die sich in Kirchengemeinde und Stadtöffentlichkeit großer Beliebtheit erfreuten.

"Kampfeskraft", "Phantasie", "Hartnäckigkeit" und "Feuer" wurden Siegfried Scheytt im Jahr 1994 anlässlich seines 40jährigen Dienstjubiläums bescheinigt. Als die finanzielle Situation der Gemeinde immer schwieriger wurde, konnte Dank der großen Anstrengung des von ihm engagiert auf- und ausgebauten Fördererkreises das Musik- und Konzertleben an der Kreuzeskirche auf dem gewohnten hohen Niveau erhalten. Seine Arbeit trug entscheidend dazu bei, dass die Kreuzeskirche erhalten und saniert werden konnte - die im Rahmen des Essener Konsens im Jahr 1994 erfolgreich abgeschlossene Innensanierung zählt zu besonderen Höhepunkten in seinem Berufsleben. Seine Vision, die Kreuzeskirche zu einem Ort der Begegnung von Kunst und Kirche, Wissenschaft und Theologie, Christen- und Bürgergemeinde zu entwickeln, hat viele Menschen inspiriert und begeistert. In der Gestalt des Forum Kreuzeskirche hat seine damalige Idee große Früchte getragen.

Neben seiner Tätigkeit als Kantor der Kreuzeskirche blieb Siegfried Scheytt auch der Folkwang-Hochschule als Lernender und Lehrender verbunden: Von 1964 bis 1967 absolvierte er bei Professor Dressel das Kapellmeister-Studium. Später unterrichtete er über ein Jahrzehnt lang Orgelbau und liturgisches Orgelspiel.

Dreißig Jahre lang hat Siegfried Scheytt auch im Musikleben der Essener Universität den Ton angegeben. Unter seiner Leitung entwickelte sich das von musizierfreudigen Ärzten und Medizinstudenten in der Hufelandstraße gegründete "Collegium musicum" zum 50 Musitker starken, klangvollen Essener Universitätsorchester. Von 1987 an kam ein 45stimmiger Universitätschor hinzu.

Wegen seiner Verdienste für die Kirchenmusik verlieh die Evangelische Kirche im Rheinland Siegfried Scheydt den Ehrentitel eines Kirchenmusikdirektors. Die Essener FDP zeichnete ihn mit dem Bürgertaler aus.

Die Trauerfeier ist am Samstag, 7. Juni, um 14 Uhr in der Kreuzeskirche am Weberplatz. Die Beisetzung findet im engsten Kreis statt. Im Sinne des Verstorbenen bittet die Familie um eine Spende an "Ärzte ohne Grenzen". Die Bankverbindung kann in der Pressestelle des Kirchenkreises, Telefon 0201 2205-221, erfragt werden.

Das Foto stammt aus dem Pressearchiv des Kirchenkreises Essen und zeigt Siegfried Scheytt gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth (links) anlässlich seines 40jährigen Dienstjubiläums im Jahr 1994.

 

 

 

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