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Die Zukunft der Evangelischen Kirche in Essen im Blick
Synode des Kirchenkreises beschloss deutliche Reduzierung der Gemeindezahl
Essen, 22.03.2025. Der vor zwei Jahren begonnene Wandelprozess der Evangelischen Kirche in Essen war am Wochenende Thema einer Sondersynode des Kirchenkreises. Nach intensiven Beratungen beschloss das Kirchenparlament bei einer Gegenstimme und fünf Enthaltungen, die Zahl der 26 Gemeinden bis spätestens zum Jahr 2030 auf sechs zu reduzieren und die Bildung einer einzigen Gemeinde bis zum Jahr 2035 als eine Möglichkeit in den Blick zu nehmen. Zur 35. außerordentlichen Tagung der Essener Kreissynode waren die Delegierten aus Gemeinden, Einrichtungen und Diensten am Samstag (22.03.) im Gemeindezentrum an der Erlöserkirche zusammengekommen.
Das Interesse war groß; über vierzig Gäste wohnten den Verhandlungen bei. Nach der Eröffnung durch Superintendentin Marion Greve standen zunächst die Berichte aus den sechs Gestaltungsräumen, in denen die Essener Gemeinden und Gemeindeübergreifenden Dienstes in den letzten Monaten Überlegungen und Perspektiven der Zusammenarbeit ausgelotet hatten, auf der Tagesordnung. Mit Applaus wurden die Moderatoren der ersten Prozessphase verabschiedet.
KONZEPT DER MIXED ECOLOGY CHURCH
Anschließend befassten sich die Synodalen eingehend mit dem Bild einer „Mixed Ecology Church“. Diese Idee einer „Kirche in gemeindlicher Vielfalt“ wurde in der englischen Kirche entwickelt und gilt auch innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland als attraktive Zielvorstellung. Als passende Metapher hatte der Kreissynodalvorstand in der Mitte des Gemeindesaales einen kleinen „Mischwald“ aus Ästen, Blumen und kleinen Bäumen errichten lassen.
Bettina Igelbrink, Umweltwissenschaftlerin bei der städtischen Tochtergesellschaft „Grün und Gruga“, nahm die Synodalen mit auf einen imaginieren Waldspaziergang, bevor Birger Falcke, Dezernent für strategische Innovation der Evangelischen Kirche im Rheinland, in das Konzept „Mixed Ecology Church“ einführte.
ZWEITE PROZESSPHASE GESTARTET
Nach der Mittagspause diskutierte die Synode intensiv über die nun erforderlichen nächsten Schritte. Hier ging es vor allem um eine konkrete Verabredung, die Zahl der Kirchengemeinden deutlich zu reduzieren. Verbindliche Entscheidungen sollen die 26 Gemeinden dem Beschluss zufolge bis 2026 treffen (zweite Prozessphase), die Umsetzung muss bis spätestens Ende 2030 abgeschlossen sein (dritte Prozessphase). Auf dem Weg zur Reduzierung der Körperschaften sind als Zwischenschritte bereits jetzt Fusionen zwischen zwei oder mehr Gemeinden möglich und erwünscht.
Die inhaltliche Ausrichtung der kirchlichen Arbeit soll durch Veranstaltungsformate begleitet werden, die die Zusammenarbeit der Gemeinden und der Gemeindeübergreifenden Dienste (z.B. Jugendreferat, Schulreferat, Pfarramt für Inklusion, Krankenhausseelsorge) vor Ort stärkt. Eine eventuell erforderliche Moderation innerhalb der Gestaltungsräume wird durch den Kirchenkreis in einem begrenzten Umfang finanziell gefördert. Perspektivisch nimmt der nun getroffene Beschluss bereits die Bildung einer einzigen evangelischen Kirchengemeinde für Essen bis zum Jahr 2035 als mögliche Organisationsform in den Blick (vierte und letzte Prozessphase).
VERÄNDERUNG WIRD EINE STÄNDIGE BEGLEITERIN SEIN
„Fusionen sind nicht nur eine einmalige Maßnahme, sondern ein kontinuierlicher Prozess“, heißt es in der Vorlage. „Veränderung wird eine ständige Begleiterin sein und erfordert eine stetige Anpassung an neue Gegebenheiten. Je früher dieser Prozess begonnen wird, desto besser können Gemeinden Erfahrungen sammeln und sich auf weitergehende Reformen vorbereiten.“ Die Kirche vor Ort bleibe erhalten und werde durch weitere Fusionen mit Blick auf eine gemeinsame Körperschaft gestärkt. Leitungsämter und -gremien könnten leichter besetzt werden, die Verwaltung werde personell und finanziell spürbar entlastet.
„Diese Entwicklungen sollten daher als Chance begriffen werden, um die Zukunft der Kirche verantwortungsvoll und vorausschauend zu gestalten. Sie bieten eine Chance, die Zukunft der kirchlichen Arbeit langfristig zu sichern und nachhaltig weiterzuentwickeln.“ Ein „geistlicher Dreitakt“ von Pfarrerin Valeria Danckwerth, Pfarrerin Alica Baron und Pfarrer Jan Veldman begleitete die Beratungen. Mit einem Segenswort klang die Kreissynode am Nachmittag aus.
STICHWORT: KREISSYNODE
Die Kreissynode ist das Kirchenparlament des Kirchenkreises. Gemäß der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche im Rheinland ist sie für Grundsatzentscheidungen über die Zielsetzung, Planung und Durchführung der Arbeit im Kirchenkreis zuständig, sie verabschiedet die Haushaltspläne für den Kirchenkreis, kann Arbeitsbereiche aufheben und einrichten und trägt formell die Gesamtverantwortung. Die Essener Kreissynode besteht aus über 130 stimmberechtigten Delegierten, die aus den 26 Kirchengemeinden sowie den Gemeindeübergreifenden Diensten, Referaten und Einrichtungen des Kirchenkreises entsendet werden, und tritt in der Regel zweimal im Jahr zusammen.
Zwischen den beiden Synoden wird der Kirchenkreis durch einen Kreissynodalvorstand geleitet, dessen Mitglieder alle vier Jahre jeweils zur Hälfte durch die Kreissynode gewählt werden. Den Vorsitz von Kreissynode und Kreissynodalvorstand hat die Superintendentin des Kirchenkreises Essen, Marion Greve, inne.