Logo Evangelische Kirche in Essen


Nachrichten

Eine Ära geprägt

Rolf Zwick, Pfarrer des Weigle-Hauses, wurde verabschiedet

(Essen, 25.09.2022) In einem Open Air-Festgottesdienst am 25. September wurde Rolf Zwick, langjähriger Pfarrer des Weigle-Hauses, durch Superintendentin Marion Greve aus seinem Dienst entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Die Feier fand bei schönem Wetter auf dem Vorplatz der traditionsreichen Jugendeinrichtung an der Hohenburgstraße 96 statt und stand unter dem biblischen Motto „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch“ (1. Petrus 5,7). Zu den zahlreichen Gästen zählte auch der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen, der Rolf Zwick im Namen der Stadt für dessen Engagement zugunsten benachteiligter Jugendlicher dankte.

In den 26 Jahren seines Wirkens als Jugendpfarrer des Weigle-Hauses habe Rolf Zwick eine weitere Ära geprägt, erklären Ulrich Hoffert, Vorsitzender des Vereins Evangelische Jugend Weigle-Haus e.V., und Gerda Thiel-Kaiser, 2. Vorsitzende des Gemeinderates. So habe sich neben der Jugendgemeinde auch eine profilierte Erwachsenengemeinde entwickelt: „In beiden Bereichen setzte Rolf Zwick wichtige Impulse – nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teamplayer“, schreiben sie in der aktuellen Ausgabe des Gemeindebriefes „mittendrin“. Seine besondere Gabe bestehe darin, „vorauszusehen, was sich entwickeln könnte – sowohl bei Einzelnen als auch in der gesamten Arbeit.“

Aus anfänglich zwei Hauptamtlichen (Hausmeister und Sekretariat) habe sich ein Team mit nunmehr 18 hauptamtlich beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt; die meisten von ihnen seien in sozialen und pädagogischen Bereichen tätig. „Rolf Zwick hat einerseits die Tradition fortgeführt, die Jugendarbeit unter immer wieder veränderten gesellschaftlichen Bedingungen weiterzuentwickeln und den Jugendlichen Spielraum zum Aus-probieren zu geben.“ Andererseits habe er in den letzten Jahren viel Energie investiert, damit die Erwachsenengemeinde formell als Kirchengemeinde des Kirchenkreises Essen und damit in der rheinischen Landeskirche anerkannt werde. Dieser Prozess werde fortgesetzt und auch durch den Kirchenkreis unterstützt.

Wer Nachfolgerin oder Nachfolger von Rolf Zwick als Jugendpfarrer des Weigle-Hauses wird, steht zurzeit noch nicht fest. Die Pfarrstelle ist seit einem Jahr ausgeschrieben, konnte bislang aber noch nicht besetzt werden; Gespräche mit möglichen Bewerberinnen und Bewerbern laufen. Bis zu einem erfolgreichen Abschluss des Bewerbungsverfahrens werden alle Aufgaben des Jugendpfarrers von anderen Mitarbeitenden übernommen. Auch Rolf Zwick selbst bleibt der Arbeit des Weigle-Hauses weiter verbunden – so wird er zunächst den Verein, der Eigentümer des Weigle-Hauses ist, als Vorsitzender leiten und damit ein wichtiger Ansprechpartner, unter anderem für Spender und Stiftungen, bleiben.

ZUR PERSON: ROLF ZWICK

Rolf Zwick wurde am 17. November 1956 in Minden geboren. Nach dem Studium der Theologie 1974 bis 1982 in Göttingen, Tübingen und Lausanne absolvierte er sein Vikariat in der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Rellinghausen und wurde 1985 in der Kirche an der Oberstraße zum Pfarrer ordiniert. Anschließend war er ein Jahr lang als Pastor im Hilfsdienst in der südafrikanischen Hauptstadt Johannesburg tätig – eine Zeit, die ihn sehr geprägt hat; bis heute hat er Südafrika immer wieder besucht. Nachdem er den zweiten Teil seines Hilfsdienstes – wieder in Rellinghausen – beendet hatte, wurde Rolf Zwick 1987 Pfarrer in Heckinghausen, einer Kirchengemeinde im Osten der Stadt Wuppertal.

Neun Jahre später, am 1. Juli 1996, wechselte er nach Essen und wurde Jugendpfarrer des Weigle-Hauses, einer traditionsreichen evangelischen Jugendeinrichtung in der Essener Innenstadt. Die damit verbundene Pfarrstelle, die damals noch zur Evangelischen Erlöserkirchengemeinde Essen-Altstadt gehörte, ist seit 2008 beim Kirchenkreis Essen angesiedelt.

Eine weitere Leidenschaft von Rolf Zwick ist das Motorradfahren. Bei den „Essener Motorrad-Gottesdiensten“ stand er deshalb regelmäßig als Prediger auf der Kanzel; Mitglieder der Christlichen Motorrad-Gruppe Königssteele und befreundete Biker werden mit ihren Maschinen am Abschiedsgottesdienst teilnehmen.

STICHWORT: WEIGLE-HAUS

Die Wurzeln des Weigle-Hauses liegen in einer besonderen, seinerzeit noch neuen Form der Jugendarbeit, die von Pfarrer Wilhelm Weigle ab 1893 im Rahmen der „Jünglings- und Männerarbeit“ in der Evangelischen Kirchengemeinde Essen-Altstadt aufgebaut wurde und geistliche Elemente mit jugendgemäßen Aktivitäten verband: Unter Weigles Leitung entstand ein vielfältiges Angebot, das von Steno- und Sprachkursen über Ferienfahrten und Chöre bis hin zu Bibelstunden und Hausbesuchen reichte. Das 1912 eingeweihte Weigle-Haus gab dieser Tradition ein Zuhause; sie trotzte den Anfeindungen der nationalsozialsozialistischen Diktatur ebenso wie der in unmittelbarer Nähe erbauten Autobahn A40.

Heute bietet das Weigle-Haus zahlreichen Jungen und Mädchen, Männern und Frauen eine „zweite Heimat“. Die traditionelle Gruppenarbeit wird mittlerweile durch eine offene Jugend- und Jugendsozialarbeit ergänzt – Beispiele sind Streetwork, Hausaufgabenhilfe, Jugendcafé, allgemeine Jugendberatung sowie eine Reihe sportlicher und jugendkultureller Angebote. Seit 2005 orientiert sich das Selbstverständnis am Leitbild einer Jugendgemeinde; neben dem wöchentlichen Jugendgottesdienst können Jugendliche weiterhin diverse Kleingruppen besuchen. Zur Jugendarbeit des Weigle-Hauses gehören mit dem Paulus-Jugendhaus (Huttrop) und dem Zwingli-Jugendhaus (Nordviertel) zwei weitere Jugendeinrichtungen.

Die Erwachsenengemeinde im Weigle-Haus hat sich im Laufe der Jahre aus der Jugendarbeit heraus entwickelt. Ihre Leitung obliegt seit 1995 einem Gemeinderat, der auch die Vernetzung mit der Jugendgemeinde koordiniert. Organisatorisch ist das Weigle-Haus ein freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland, wobei derzeit der Status einer auch formell anerkannten Kirchengemeinde angestrebt wird. Der Verein „Evangelische Jugend Weigle-Haus e.V.“ ist Mitglied im CVJM-Westbund und Teil der Evangelischen Jugend Essen. Finanziert wird die Arbeit durch kirchliche und öffentliche Zuschüsse sowie – zum größten Teil – aus Spenden.

Unser Titelbild zeigt Superintendentin Marion Greve, Pfarrer Rolf Zwick und Oberbürgermeister Thomas Kufen (v.l.n.r.). Foto: Georg Lukas.

 

 

 

nach oben ▲