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Im Krieg zerstörte Golddecke der Auferstehungskirche ist restauriert

Ehemalige Kirchenmusikerin machte die Wiederherstellung möglich

(Essen, 01.04.2024) Ihr ganzes Leben ist Ursula von den Busch eng und nahezu untrennbar mit der Auferstehungskirche im Essener Südostviertel verbunden: Ihr Geburtsjahr 1929 fällt mit dem Jahr der Grundsteinlegung zusammen, sie ist in unmittelbarer Nähe aufgewachsen und wohnt noch heute in ihrem Elternhaus. Seit Kindheitstagen ist sie ein engagiertes Mitglied der Gemeinde – bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 1995 war sie hier mehr als vier Jahrzehnte lang festangestellte Kirchenmusikerin. Noch bis 2019 vertrat sie unentgeltlich ihre Nachfolgerin. Ihre Verbundenheit zur Kirche und der Gemeinde ist nach wie vor ungebrochen und genau aus diesem Grund wollte sie ihr „zweites Zuhause“, wie sie die Auferstehungskirche liebevoll nennt, noch schöner machen. Deswegen hat Ursula von den Busch jüngst die Restaurierung der Golddecke finanziert.

„Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Kind neben den Orgelklängen auch immer die glitzernde Golddecke in der Auferstehungskirche bewundert habe“, erinnert sich Ursula von den Busch gerne zurück. Doch 1945 – und damit kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs – führte ein Bombentreffer vorübergehend zur Unbenutzbarkeit der Kirche. Dabei wurde die Golddecke komplett zerstört.

GOLDDECKE BLIEB DURCH WEISSE DECKE ERSETZT

Schon zu Heiligabend 1948 konnte die Kirche wiedereröffnet werden, erst mehr als vier Jahrzehnte später wurden die Fenster dank Spenden aufwändig rekonstruiert. Doch die Golddecke blieb weiterhin durch eine weiße Decke ersetzt. „Jeden Sonntag saß ich auf demselben Platz in der Kirche und habe die weiße Decke gesehen – ganz anders als in meiner Kindheit. Das hat mich geschmerzt. Umso glücklicher bin ich, dass die Auferstehungskirche endlich wieder in ihrem Ursprungszustand ist“, freut sich von den Busch. Der Gottesdienst am 3. März war der erste, bei dem die Gemeinde die fertiggestellte Golddecke zu Gesicht bekam. Und die Reaktionen waren durchweg positiv, weiß Michael Heering, langjähriger Gemeindepfarrer.

Doch bis es so weit kam, war es ein weiter Weg – Michael Heering hierzu: „Natürlich wusste ich, wie die Kirche bei ihrer Einweihung ausgesehen hat. Und in all den Jahren meiner Arbeit hier habe ich immer mal wieder gedacht, wie schön es wäre, diesen Zustand wiederherzustellen. Aber hierfür fehlte es der Gemeinde an Mitteln, da die vorhandenen Beträge verständlicherweise in andere Projekte geflossen sind.“

„DIE GUTE SEELE DER AUFERSTEHUNGSKIRCHE“

Umso mehr freut er sich, dass ein aus seiner Sicht „ganz besonderes Gemeindemitglied“ nun für die Restaurierung der Golddecke verantwortlich ist: „Ursula von den Busch war – und ist bis heute – die gute Seele der Auferstehungskirche. Ihr Engagement vor, während und nach ihrer Anstellung als Kirchenmusikerin ist bewundernswert. Sie hat ihre Arbeit nicht als solche gesehen; vielmehr war es wohl eine Berufung. Ihre Leidenschaft für die Musik, ihre Freude im Umgang mit anderen Menschen, ihre Art, Kinder wie Erwachsene zu begeistern – all das ist einzigartig. Umso dankbarer sind wir, dass sie nun auch noch mit einer zweckgebundenen Spende die Restaurierung der Golddecke möglich gemacht hat.“

Ursula von den Busch übernahm die Restaurierungskosten vollständig. Diese Spende sei im Grunde nur die Weiterführung ihrer Arbeit und ihres Engagements, so der langjährige Gemeindepfarrer Heering: „Ihr lag immer daran, Menschen in die Kirche, in die Gemeinde zu holen – quasi in ihr Wohnzimmer. Sie wollte diesen Raum nicht nur für sich, sondern für jeden einzelnen, der die Kirche betritt, einfach noch schöner und einladender gestalten. Und das ist ihr gelungen.“

STICHWORT: AUFERSTEHUNGSKIRCHE

-- Grundsteinlegung 14.7.1929, Einweihung 22.6.1930
-- Kosten: 578.000 Reichsmark
-- 1945 führte Bombenhagel zur Unbenutzbarkeit (hierbei wurde auch die Golddecke komplett zerstört), Heiligabend 1948 Wiedereröffnung
-- 1992-2008 Projekt der Rekonstruktion der Fenster (Kosten: 625.00 Euro, komplett finanziert aus Spenden, nicht durch Kirchensteuer)
-- 2024 Restaurierung Golddecke: Dauer insgesamt etwa sechs Wochen, Kosten belaufen sich auf den Wert eines Mittelklasseautos

ZUR PERSON: PFARRER I.R. MICHAEL HEERING

-- geboren am 9.7.1947
-- 1975 bis 2012 Pfarrer in der Auferstehungskirche
-- wohnt noch heute in der Nähe und ist der Gemeinde weiterhin sehr eng verbunden

ZUR PERSON: URSULA VON DEN BUSCH

-- geboren am 19.6.1929
-- ist in Essen geboren und hat hier ihr ganzes Leben verbracht (mit Ausnahme von drei Jahren, die sie während des Krieges im Schwarzwald evakuiert war)
-- wohnt im Elternhaus in unmittelbarer Nähe zur Kirche
-- war nie verheiratet, hat eine Adoptivtochter (welche sie in deren Erwachsenenalter adoptiert hat)
-- hat schon als Kind Geige, Akkordeon und Klavier gespielt
-- ihren ersten (Kinder-)Gottesdienst erlebte sie mit sechs oder sieben Jahren. Nach einer Weile ging sie nicht mehr hin, als sie später wieder mit andern Kindern zum Gottesdienst ging, befürchtete sie, dass man mit ihr schimpfen würde, weil sie so lange nicht da war – stattdessen wurde sie mit offenen Armen empfangen, was ihr sehr gut tat.
-- Von da an besuchte sie sonntags regelmäßig den Gottesdienst. Dabei hat sie das Orgelspiel von Beginn an begeistert und fasziniert. Ihr Wunsch war es, ebenfalls so gut spielen zu können.
-- Sie arbeitete als Kindergottesdienst-Helferin und initiierte einen Gesangsauftritt von Kindern im Weihnachtsgottesdienst – der Grundstein für ihre Kinderchor-Arbeit. Am Anfang fanden die Proben in ihrem Kinderzimmer statt.
-- Nach dem Abitur studierte sie an der Folkwang Schule Evangelische Kirchenmusik. Nach ihrem Abschluss erhielt sie eine Festanstellung – in der Auferstehungskirche.

Foto: Michael Heering.

 

 

 

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